Vom GENIN-Dialog zur Fehmarnbelt-Region: Gemeinsam Zukunft gestalten

Besichtigung Strandmöllen in Dänemark

Ein Wirtschaftsraum entsteht nicht durch einen Tunnel allein

Mit dieser Erkenntnis bin ich von einer beeindruckenden Delegationsreise nach Dänemark zurückgekehrt, die WIR IN GENIN, HanseBelt e.V. und der Kaufmannschaft zu Lübeck organisiert haben.

Besonders gefreut hat mich, dass aus einer Idee, die beim diesjährigen GENIN-Dialog entstand, innerhalb weniger Monate eine hochkarätige Delegationsreise wurde. Damals diskutierten wir auf dem Podium über die wirtschaftlichen Chancen der zukünftigen Fehmarnbelt-Querung und die Frage, wie Lübeck und die gesamte HanseBelt-Region von der engeren Verbindung zu Skandinavien profitieren können.

Schnell wurde klar: Wenn wir die Potenziale dieses zukünftigen Wirtschaftsraums verstehen wollen, müssen wir ihn erleben, seine Akteure kennenlernen und den direkten Austausch suchen.

Genau das haben wir getan

Unsere Reise führte uns zu Strandmøllen A/S nach Ejby, zur Kalundborg Symbiosis, ins Rathaus der Kalundborg Kommune zu Bürgermeister Martin Damm sowie nach Rødbyhavn zum Fehmarnbelt-Projekt und zu Femern Belt Development. Wertvolle Impulse erhielten wir zudem von Andreas Wenzel von der Deutsch-Dänischen Handelskammer.

Besonders spannend war für unsere Delegation der Besuch bei Strandmøllen. Hintergrund war nicht nur das Kennenlernen eines erfolgreichen skandinavischen Industrieunternehmens. Der Gasproduzent verfügt bereits über Produktionsstandorte in Dänemark und Schweden und plant aktuell einen neuen Standort in Lübeck. Damit konnten wir sehr konkret nachvollziehen, wie Unternehmen die Chancen eines zusammenwachsenden deutsch-skandinavischen Wirtschaftsraums bereits heute nutzen. Beeindruckt hat mich dabei insbesondere die klare Wachstumsstrategie des Unternehmens: ambitioniert, aber mit Augenmaß, stets unter Einbeziehung der Mitarbeitenden sowie mit starker regionaler Verankerung.

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Kalundborg Symbiosis. Seit Jahrzehnten arbeiten dort Unternehmen, Kommune und Versorger in einem einzigartigen industriellen Netzwerk zusammen. Energie, Wasser und Rohstoffe werden intelligent genutzt und zwischen den Beteiligten ausgetauscht. Das Ergebnis ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich. Für unsere Region bietet dieses Modell viele interessante Denkansätze.

Beeindruckend waren schließlich auch die Einblicke in das Fehmarnbelt-Projekt in Rødbyhavn. Die Dimension des Bauvorhabens macht deutlich, welche infrastrukturelle Bedeutung diese Verbindung künftig haben wird. Doch noch wichtiger erscheint mir eine andere Erkenntnis.

Der Tunnel wird nicht nur Reisezeiten verkürzen. Er wird die Wahrnehmung von Nähe verändern

Unternehmen, Hochschulen, Fachkräfte, Investoren und Innovationspartner auf beiden Seiten der Ostsee werden künftig deutlich enger zusammenrücken. Die eigentliche Chance liegt jedoch nicht in der Infrastruktur selbst, sondern darin, wie wir sie nutzen.

Deshalb sollten wir uns heute fragen:

Was müssen wir bereits jetzt tun, damit aus einer Verkehrsverbindung tatsächlich ein gemeinsamer Wirtschaftsraum wird?

Die Antwort liegt aus meiner Sicht im Austausch, im gegenseitigen Lernen und im Aufbau belastbarer Netzwerke.

Die Reise hat gezeigt, wie viele Gemeinsamkeiten Deutschland und Dänemark verbinden. Gleichzeitig haben wir Unterschiede kennengelernt, beispielsweise bei Führungsstilen, Entscheidungsprozessen oder der Geschwindigkeit der Umsetzung. Genau darin liegt eine große Chance. Innovation entsteht oft dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.

Besonders wertvoll waren deshalb nicht nur die offiziellen Programmpunkte. Ebenso wichtig waren die Gespräche im Bus, beim gemeinsamen Abendessen und zwischen den einzelnen Stationen. Dort entstehen Vertrauen, neue Ideen und zukünftige Kooperationen.

Für Lübeck und die gesamte HanseBelt-Region bietet die Fehmarnbelt-Verbindung enorme wirtschaftliche Perspektiven. Die Delegationsreise hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Grundlagen dafür bereits heute geschaffen werden können.

Mein herzlicher Dank gilt allen Gastgebern und Gesprächspartnern für die Offenheit, die spannenden Einblicke und den konstruktiven Austausch. Ebenso danke ich den Teilnehmenden unserer Delegation sowie neben den Mitgliedern von WIR IN GENIN auch insbesondere unseren Partnerorganisationen HanseBelt e.V. und der Kaufmannschaft zu Lübeck, die diese Reise gemeinsam mit uns ermöglicht haben.

Die Zukunft der Fehmarnbelt-Region beginnt nicht mit der Fertigstellung des Tunnels, sie beginnt mit den Beziehungen, die wir schon heute aufbauen.

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